Im Inneren des Kaninchenbaus

Gesellschaft

Interview mit dem Chef

Interview: Laura Bachmann (10b), Liv Portner (10b), Jasper Strey (8b)

Foto: Laura Bachmann

Nach längerem Hin-und -Her haben wir Ende des vergangenen Halbjahres unseren neuen Schulleiter begrüßen dürfen. Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs ist Thomas Weiss gerade seit drei Wochen als unser Schulleiter im Amt. Die GO-Public hat ihn zu Hause besucht und mit ihm über seine Pläne für das GO, seine Aufgabe als Schulleiter und seine Kaninchen gesprochen.

Thomas Weiss empfängt uns herzlich in seinem Haus, nahe der Schule. Seine Frau stellt sich kurz vor und verschwindet dann schnell. Das Wohnzimmer ist hell und modern eingerichtet. Im IKEA-Stil mit persönlichen Akzenten. Auffällig sind die vielen Fotografien und Gemälde im Wohnzimmer. Vor dem Sofa eine PlayStation – er erzählt uns, dass er mit seinen vier Kindern gerne daran spielt. Thomas Weiss ist Familienmensch, zur Familie gehören auch die drei Kaninchen – die eigentlichen Stars dieses Interviews – und zahlreiche Fische. Wir setzen uns zusammen an den Wohnzimmertisch und beginnen mit dem Interview.

GO-Public: Wie gefällt Ihnen Ihr neues Büro?

Thomas Weiss: Das Büro ist ganz herrlich: Man hat nette Leute um sich herum und das Büro selbst ist schön eingerichtet.

Sie leiten das GO jetzt seit einigen Monaten. Wie ist Ihr Eindruck?

Ich wurde ganz herzlich aufgenommen. Die Aufgaben gefallen mir – ich habe mir das ja auch ausgesucht und ich glaube, ich kann auch etwas mitbringen. Ich freue mich sehr auf die kommende Arbeit, auch auf die vielen Herausforderungen. Ich sehe da ganz viele Möglichkeiten, tätig zu werden.

Sie waren ja zuvor am Gymnasium Lerchenfeld. Warum sind Sie nun ausgerechnet ans GO gewechselt?

Das GO ist eine tolle Mischung. Es gibt hier eine fundierte, fachliche Vielfalt, ein Angebot, das euch, die Schülerinnen und Schüler, abholt und auch sieht. Sei es das Landschulheim auf Föhr oder das Musical, aber auch, dass wir eine Mathenacht gemacht haben. Diese Mischung, diese tiefe Allgemeinbildung, das ist schon ein Wert an sich. Die Schule schafft es, lokal gebunden und verbunden zu sein, verwurzelt in Othmarschen und trotzdem gibt es so ein internationales Klientel. Es wird multikulturell im besten Sinne gedacht.

Was genau macht unsere Schule multikulturell?

Multikulturalität kann erstmal bedeuten, dass alles nebeneinander herläuft. Das tut es für mein Verständnis aber nicht. Man toleriert sich nicht nur, sondern akzeptiert sich. Es funktioniert miteinander. Es ist so eine warme, gute, zugewandte Atmosphäre da. Die ist fürs Lernen ideal, macht aber auch einfach Freude.

Und wie wollen Sie diese bei uns fördern?

Das ist nicht einfach. Erstmal würde ich denken, man braucht eine gute Organisation, um diese Vielfalt nicht zur Belastung werden zu lassen; das kann ja auch ein gegenseitiges Verdrängen sein – das darf nun wirklich nicht passieren. Wenn man den Lehrerinnen und Lehrern und Schülerinnen und Schülern Freiräume gewährt und ihre Leidenschaften unterstützt und das gut organisiert, dann kommt etwas raus, was viele anspricht und gleichzeitig auch fachlich fundiert ist. Es geht nicht nur um „Wir sind bunt“: Man muss immer auch gucken, wie passt es zusammen – und da sehe ich auch meine Aufgabe.

Jede:r Schulleiter:in hat einmal als Lehrer:in angefangen. Warum haben Sie sich entschlossen, Schulleiter zu werden?

An meiner alten Schule war ich ja stellvertretender Schulleiter. Das ganze Organisieren und Planen macht mir große Freude. Mit der Zeit habe ich immer mehr festgestellt, wie gerne ich Schulentwicklung betreibe. Dieses Gefühl hat dann dazu geführt, dass ich gesagt habe „Ich möchte Schulleiter werden“. Diese Entscheidung ist schon etwas früher gefallen, also bevor das GO einen Schulleiter oder eine Schulleiterin suchte; es passte aber ziemlich gut zusammen. Das war ein Glücksfall!

Es freut uns natürlich sehr, dass Ihnen unsere Schule und Gemeinschaft gefallen. Trotzdem gibt es sicher auch etwas, was Sie verändern wollen.

Die Coronapandemie hat unsere Schule sehr belastet. Dazu kommen in den letzten Jahren ja doch auch mehrere Wechsel in der Leitung. Die gute Atmosphäre ist zwar da, aber man merkt, dass sie belastet worden ist. Mein erstes Ziel ist es, dass diese Gemeinschaft wieder Kraft schöpft und wieder enger zusammenrückt. Außerdem kümmere ich mich um den Leitbildprozess.

Was heißt das genau?

Es ist wichtig, dass wir gucken, was ist das GO und wofür steht es? Wofür wollen wir als Gemeinschaft eintreten? Was ist nicht mehr so up-to-date? Den Leitbildprozess möchte ich gerne starten und durch meine Tätigkeit unterstützen, sodass erstmal alle näher zusammenrücken.

Ich möchte da sehr viel Energie reinstecken, das ist ein wichtiges Fundament der Schule.

Ich finde Feedback auch ganz großartig. Das wäre so eine der ersten Sachen, dass man Umfragen macht. Mit diesem Wissen kann man die Schule dann auch in eine Richtung bringen, die für die Gemeinschaft sinnvoll ist.

Hier wird das Interview kurz unterbrochen. Während wir Fotos aufnehmen, hoppeln zwei Kaninchen in den Raum. Thomas Weiss erklärt uns die selbstgebaute „Kaninchenklappe“ in der Terrassentür und stellt uns die beiden vor: „Sie sind schon ein süßer Haufen“.

Ein ganz aktuelles Thema unserer Zeit: Inwiefern wollen Sie die Digitalisierung an unserer Schule voranbringen?

Ich glaube, einfach durch meine Erfahrung an verschiedenen Schulen trage ich zu dem Thema in der einen oder anderen Weise bei. Digitalisierung braucht Zeit. Aber ich glaube, dass das auch ein Thema ist, das sehr positive Effekte haben kann, wenn es richtig angeht.

Wichtig ist aber auch: Medien sollten als Angebot wahrgenommen werden. Ich sehe das nicht als die eine Antwort auf Lernfragen. Ich glaube, Medienvielfalt ist wichtig. Die Kombination von klassischen und neuen Medien ist eine Bereicherung. Digitale Medien sollten sich da organisch integrieren.

Was bedeutet das für die verschiedenen Klassenstufen?

Meines Erachtens wird es eine Herausforderung, dass ihr Schülerinnen und Schüler mit zunehmendem Alter ganz viel Eigenständigkeit im Bereich digitaler Medien kriegen solltet. Bei Fünft- und Sechstklässlern ist es vielleicht noch gut, wenn man sagt: „Jetzt nehmt ihr euer Heft“ und „jetzt nehmt ihr bitte zur Recherche mal das Tablet“. Ich glaube, dass es in der Oberstufe genauso gut und richtig ist zu sagen: Ihr überlegt selbst. Ist das gerade gut, ins Heft zu schreiben oder mache ich das in der Word-Datei oder machen wir eine Kleingruppenaktion. Ich halte das für so wichtig, weil ihr ja medienkompetent werden sollt. Das funktioniert aber nur, wenn ihr das auch dürft.

Das heißt, dass ihr mit der Zeit, so ab Jahrgang acht, neun, zehn, mehr und mehr auch selbst Erfahrungen sammelt. Und Medienkompetenz bedeutet natürlich auch, dass man mal schaut, was ist außerhalb des Unterrichts. Was gibt es da an Chancen wahrzunehmen? Da gibt es ja ganz tolle Dinge: selber Filme drehen oder Radiopodcasts machen.

 Das heißt ganz konkret?

Das GO sollte Technik bereitzustellen und in allen Räumen digitale Projektionsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Wir haben ja auch eine ganze Menge Computer, Notebooks und Tablets – aktuell zur Ausleihe und zum Verwenden in einzelnen Unterrichtstunden. Für die Zukunft stelle ich mir vor, dass jeder Schüler neben seinem Buch und einem Heft auch irgendwo ein Tablet liegen hat.

Wie wichtig ist Ihnen Selbstständigkeit der Schüler:innen?

Ich bin ein ganz großer Fan davon, Schülerinnen und Schüler in echte Verantwortung zu bringen. Nicht nur wir-tun-mal-so-als-ob, sondern so richtig. Das Technik-Team beispielsweise: Wenn beim Musical das Licht nicht richtig ist, ist das Team auch verantwortlich. Wenn in der Lehrerkonferenz das Mikrofon gebraucht wird und nicht funktioniert, sind sie auch verantwortlich. Das führt aber auch zu ganz viel Engagement.

Solche Einrichtungen wollen Sie also stärker fördern?

Genau. Da gibt es ganz viele Möglichkeiten. Man könnte zum Beispiel einen Bucheinschlagservice für die Lernbücher aufbauen, eine Schülerfirma, die verschiedene Dinge verkauft. Die Schülervertretung hat mit mir darüber gesprochen, dass ein Schulsanitätsdienst gegründet werden könnte, der für alle möglichen Notfälle gerufen werden kann. Das sind Schülerinnen und Schüler, die dann als Sanitäter:innen für kleinere und größere Notfälle zuständig sind.

Uns ist allerdings aufgefallen, dass viele solcher Angebote, gerade AGs – wie die Schüler:innenzeitung –, kaum wahrgenommen werden. Dass so etwas angeboten wird, ist ja eine Sache, aber wie wollen Sie diese Strukturen populär machen?

Da muss man, glaube ich, unterscheiden. Die älteren Schülerinnen und Schüler haben durch den größeren Umfang an Unterrichtsstunden natürlich schon eine ganze Menge zu tun und von daher finde ich das absolut legitim, wenn sie sich lieber auf das Abitur oder die Überprüfung im Jahrgang 10 fokussieren.

Es gibt aber sicherlich auch Schüler:innen, die so etwas eigentlich gerne wahrnehmen würden.

Ich glaube, das ist auch wieder eine Frage des Feedbacks, dass wir fragen nach: Was wollt ihr gerne machen? Was wäre etwas für euch? Um zu wissen: Wo würde so ein Kurs zustande kommen?

 Nachdem wieder einige Kaninchen hineingekommen sind, stellt Thomas Weiss die Prognose auf, die Kaninchen würden das Interview letztlich dominieren.

Das zweite ist Werbung und das Informieren über die Angebote. Ich sehe, dass ihr etwas anders kommuniziert, auf anderen Wegen, als wir Erwachsene. Also könnte man einen Kanal auf einem sozialen Medium einrichten.

Ein zentrales Anliegen unserer Generation ist der Klimaschutz. Es gibt die Umwelt-AG und mit Malte Renius einen Umweltbeauftragten im Lehrer:innenkollegium. Unsere Schule will sich als Klima- beziehungsweise Umweltschule bewerben. Mit welchen Maßnahmen wollen Sie das umsetzen?

Ich glaube, es wäre völlig unvernünftig, dieses Thema nicht in den Fokus zu nehmen. Die gute Nachricht: Es ist auch ein tolles Unterrichtsthema, da es verschiedene Fächer verbindet. Weil es ganz unterschiedliche Perspektiven auf die Welt, aber auch auf uns selbst ermöglicht. Daher ist es eine traurige Herausforderung, weil die Situation brenzlig ist. Aber es ist auch eine wunderbare Herausforderung, da man alle möglichen wissenschaftlichen und menschlichen Dinge zusammenbringen kann.

Einiges könnte man da vom Gymnasium Lerchenfeld übernehmen. Man könnte zum Beispiel die Mülltrennung voranbringen und Umweltbeauftragte in jeder Klasse und jedem Profil machen, dazu passend einen Umweltrat und diesen mit dem Schülerrat in Kooperation bringen. Sehr schön fand ich auch den Umweltprojekttag, der das Thema für mein Verständnis nochmal sehr deutlich auf den Tisch bringt und für alle verständlich macht. Bisher kann ich allerdings noch nicht sagen, was sich davon genau umsetzen lässt.

Was macht eine:n gute:n Schulleiter:in aus?

Für mich ist ein guter Schulleiter, eine gute Schulleiterin zugewandt, entspannt, wenn es kritisch wird und versucht faire Lösungen zu finden. Er oder sie muss aber auch mal richtig deutlich „Nein“ sagen können. Er oder sie sollte unbedingt kritikfähig, ehrlich und offen sein – das ist für das GO besonders wichtig, weil daher auch diese gute Atmosphäre rührt. Außerdem gehört es zu einem guten Schulleiter oder einer guten Schulleiterin, sachkundig zu sein, Ahnung von Schule und Unterricht zu haben.

Wir haben in den vergangenen fünf Jahren unserer Schulzeit drei verschiedene Schulleiter:innen –Herrn Jany mitgerechnet – kennengelernt, die uns unterschiedlich begegnet sind. Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit uns Schüler:innen vor?

Ich wünsche mir eine enge, vertraute und vertrauliche Zusammenarbeit, eine sehr fröhliche, bei der es um die Sache geht, man aber auch lachen kann. Einfach weil man Freude am Prozess hat. Ich möchte versuchen, die richtigen Fragen zu stellen und möchte die unterschiedlichen Stimmen wahrnehmen, die da sind. Ich sehe meine Rolle im Ermöglichen, Lenken und Bahnen bereiten.

Wie verbringen Sie am liebsten Ihre Freizeit, außer mit ihren Haustieren – den Hasen und Fischen –, von denen haben wir ja schon viel gesehen und gehört haben?

Auch wenn meine Haustiere hier sehr präsent sind, steht meine Familie auf Platz eins. Ich mache ganz viel mit meiner Familie, wann immer ich Freizeit habe. Wir sind ein gutes Team, haben viel Freude miteinander. Wir gucken alle gerne Filme, lesen Bücher, wir machen Sport, ich würde uns mal als Reisefamilie bezeichnen, fahren in die Berge, die europäischen Hauptstädte – das macht mich und uns auch aus.

Sie unterrichten neben Mathematik auch Informatik. Expertenfrage: Playstation oder Xbox?

Eigentlich ist mir ein PC immer noch am liebsten.


Zu wyld!

Gesellschaft

Eine Sammlung von Hugo Keßler (8b)

Trotz Corona, Homeschooling und anderen Problemen sprechen Jugendliche immer noch miteinander und so haben sich auch in diesem Jahr wieder ein paar Jugendwörter angesammelt. Zehn Wörter konnten öffentlich eingereicht werden, um anschließend vom Langenscheidt-Verlag als Jugendwörter des Jahres nominiert zu werden. Jedoch weiß nicht jeder, was diese Wörter überhaupt bedeuten und woher sie kommen; also haben wir sie hier einmal für euch erklärt.

Vielen Dank an die Klassen 5b und 5d, dass ihr zusammen mit Herrn Stützer die Illustrationen zu den Wörtern produziert habt.

wyld

Normalerweise drückt wyld positive Emotionen aus. Seine Bedeutung hängt jedoch stark vom Kontext ab. Neben Überraschung oder Bewunderung kann das Wort auch als Zeichen von Betroffenheit verwendet werden – zum Beispiel an Stelle von „Wie heftig!“. Die Steigerungsform ist zu wyld.

Geringverdiener

Geringverdiener ist ein scherzhafter Ausdruck für Verlierer, der meistens aus dem Kontext gerissen wird. Der Begriff bezeichnet eigentlich Personen mit geringem Einkommen, weshalb das Jugendwort ziemlich respektlos gegenüber Menschen ist, die wenig Geld verdienen.

cringe

Aus dem Englischen übersetzt bedeutet das Jugendwort cringe „zusammenzucken“ oder „erschaudern“. Wenn man cringed, empfindet man Fremdscham und erschaudert sozusagen vor dem eigenen inneren Auge.

Cringe ist ein Adjektiv. Wer's anders verwendet, ist cringe.

sheesh   

Der Ausruf sheesh wird im Alltag als Zeichen des Erstaunens benutzt. Sheesh darf nicht im ganzen Satz gebraucht werden, sondern steht immer für sich allein: als Reaktion auf eine schockierende Aussage oder auf ein erstaunliches Ereignis.

papatastisch

Das Wort stammt von der Community des Twitch-Streamers und Youtubers „Papaplatte“. Papatastisch bedeutet so viel wie fantastisch oder super. Als die Fanbase des Streamers hörte, dass das Wort papatasisch es in die engere Auswahl der Jugendwörter geschafft hat, haben viele Papaplatte-Zuschauer für das Wort gestimmt, obwohl es kaum benutzt wird.

same

Same ist ebenfalls ein Begriff aus dem Englischen und heißt wörtlich übersetzt: gleich. Der Ausdruck ,,same“ wird in der Jugendsprache benutzt, wenn man einer Person oder Aussage Zustimmung schenkt und sich damit identifizieren kann.

Cool? Ist schon lange kein Jugendwort mehr.

akkurat

Akkurat wird meist als eine ziemlich ironische Zustimmung benutzt, wenn eine Aussage genau zutrifft. Eigentlich ist akkurat ein Begriff aus der Alltagssprache, der „sorgfältig“ und „ordentlich“ bedeutet und eher selten benutzt wird. Weil etliche Influencer:innen diesen Begriff verwenden, ist er mittlerweile viel populärer geworden.

sus

Das Wort sus kommt aus dem Englischen und ist die Kurzform von ,,suspicious“ (verdächtig oder suspekt) und wurde vor allem durch das Multiplayer-Spiel ,,Among Us“ bekannt. Suswird benutzt, wenn man einer Person misstraut oder die Zweideutigkeit einer Aussage betonen möchte.

Digga/Diggah

Diggah/Digga ist eine umgangssprachliche Abwandlung des Wortes ,,Dicker“ und wird meist für einen Freund oder Kumpel benutzt. Der Ausdruck wird jedoch schon seit den 1990er Jahren von Jugendlichen benutzt und kann mittlerweile nicht mehr wirklich als Jugendwort gelten. Trotzdem hört man es ununterbrochen auf dem Pausenhof und in der Klasse.

Ist nice nicer als geil?

Mittwoch

Mittwoch ist ein inoffizieller Feiertag des Internets mit dem Wahlspruch: „Es ist Mittwoch, meine Kerle!“ oder im Original aus dem Amerikanischen ,,It´s Wednesday my dudes!“. Bekannt wurde dieser Ausruf durch das Mittwoch-Meme: Dort sitzen mehrere Frösche an einem Lagerfeuer und nicken mit dem Kopf; auf einmal ertönt eine Stimme und ruft: „It´s Wednesday my dudes!“ (https://www.youtube.com/watch?v=PE8GlPpuLuY). Einen wirklichen Grund, gerade den Mittwoch zu zelebrieren, gibt es nicht, aber wahrscheinlich ist genau dies Grund genug.


Das ewige Mitgemeintsein

Text und Foto: Liv Portner

Ob Sternchen, Bindestrich oder Doppelpunkt: Ideen, unsere Sprache geschlechtergerecht zu gestalten, gibt es viele. Aber nicht alle sind von dieser Änderung überzeugt. Warum es dennoch absolut notwendig ist, die Sprache der Realität anzupassen, erklärt euch die GO-Public.

Wenn wir sprechen, dann nutzen wir das generische Maskulinum; wir sagen „Der Lehrer ist für seine Schüler verantwortlich“ oder „Der Kunde ist König“. Wir sprechen in der männlichen Form. Frauen? Sind nur mitgemeint. Das ist so tief in der deutschen Sprache verankert, dass jeglicher Vorschlag, die Sprache gendergerecht zu gestalten, auf heftigen Widerstand stößt. Die Debatte ist kontrovers und oft sehr emotional – schon seit den Anfängen der feministischen Linguistik.

Zum ersten Mal wurden Frauen in den 1960er Jahren im Rahmen der zweiten Welle des Feminismus‘ mit Hilfe des Schrägstrichs ebenfalls explizit erwähnt. Von nun an waren die Lehrer also Lehrer/innen. Aber schon damals traf diese Veränderung nicht nur auf Zustimmung. Auch in den eigenen Reihen wurde heftig diskutiert. Der Vorwurf: Die neue Form gehe noch nicht weit genug, denn Frauen seien wieder lediglich ein Anhängsel.

In den späten 1970er Jahren erlebte die Idee von inklusiver Sprache dann einen enormen Aufschwung. In dieser Zeit wurden verschiedene Richtlinien von Institution verfasst. Im universitären Milieu fand die geschlechtergerechte Sprache zwar Anklang. Doch Mainstream war sie noch lange nicht.

Der Bindestrich ist jedoch nur eine von vielen Varianten: Neben der vom Journalisten Christoph Busch erfundenen Binnen-I-Variante (LehrerInnen) wird auch die Gender-Gap Variante (Lehrer_innen) genutzt. Doch auch bei diesen Formen wird die mangelnde Inklusion kritisiert. Das Binnen-I schließe Personen aus, die sich weder als weiblich noch als männlich identifizieren. Der Unterstrich lässt Platz für nicht-binäre Personen, gilt aber als zu sperrig. Der Bindestrich wurde vor allen Dingen in LGBTQIA+-Kreisen verwendet, setzte sich aber nie wirklich durch.

Die wohl bekannteste und somit auch am kontroversesten diskutierte Variante ist der Genderstern. Dieser stammt ursprünglich aus der Sprache der Computer. Dort wurde er genutzt als Platzhalter für eine beliebige Zeichenkette. Der Vorteil ist, dass alle geschlechtlichen Identitäten miteingeschlossen werden. Das Sternchen fungiert als Ausrufezeichen und sagt: „Vorsicht, jetzt wird gegendert!“

Die neueste Version ist der immer beliebter werdende Doppelpunkt. Dieser wird von den Leser:innen als kurze Pause gelesen. Unsere Redaktion hat sich ebenfalls für diese Schreibweise entschieden. Computer können den Doppelpunkt als kurze Pause lesen und wir schätzen den Doppelpunkt für seine unauffällige, aber anschauliche Art, unsere Sprache geschlechtergerecht zu gestalten.

Trotzdem: Egal mit Hilfe welches Satzzeichens gegendert wird, auch im Jahr 2022 trifft die geschlechtsneutrale Sprache auf großen Widerstand. Warum?

Sprache ist in unserem Leben so allgegenwärtig und wichtig, dass es sich für viele zunächst möglicherweise merkwürdig anfühlt, in diesem doch so wichtigen Bereich ihrer persönlichen Freiheit „eingeschränkt“ zu sein. Wobei Einschränkung hier irreführend wirken kann: Ist es nicht vielmehr eine Veränderung oder Erweiterung als eine Einschränkung? Und gerade weil Sprache ein so wichtiger Teil unseres Lebens ist und unser Denken massiv beeinflusst, ist es so wichtig, auch hier eine Gleichberechtigung zu erreichen. Juristisch sind Frauen und Männer gleichberechtigt, aber in Wirklichkeit sind sie das noch lange nicht. (Zum Mitschreiben hier ein paar Stichworte: Bezahlung, medizinische Diagnosen und Medikamente, Gender Data Gap, Tampon-Steuer – um nur einige Bespiele zu nennen). Kurz gesagt: Der Cis Mann ist in vielen Lebensbereichen immer noch der Standard, das macht sich eben auch in der Sprache bemerkbar. Diese Muster müssen unbedingt gebrochen werden. Auch in der Sprache, denn sie manifestiert Ungerechtigkeiten. Mit dem Gendern gibt es eine Möglichkeit, Menschen dazu zu bringen, ein Bewusstsein für diese Diskriminierung zu entwickeln, was uns zwar einige Mühe kosten wird, aber unbedingt notwendig ist. Denn Frauen (und andere nicht männliche Geschlechtsidentitäten) sollen eben nicht nur mitgemeint sein.


Bundestagswahl 2021: Was die Parteien wirklich wollen

Sieht so die Angst der FDP (Fabrice Henrici) vor der Links-Partei (hier vertreten durch Cansu Özdemir) aus?

Es ist bald wieder so weit – am Sonntag, den 26. September, finden Bundestagswahlen statt. Die spannende Frage lautet: Wer wird Angela Merkels Amt als Bundeskanzlerin oder Bundeskanzler übernehmen? In einem turbulenten Wahlkampf, dessen Fokus doch eher auf den Skandalen der Spitzenkandidat:innen liegt, sodass die eigentlichen Inhalte der Parteien etwas zu kurz kommen, wollen wir euch die Programme der sechs Bundestagsparteien vorstellen – gegliedert nach vier Themen, die uns als Schüler:innen besonders interessieren: Klimaschutz, Migrationspolitik, Bildung und Familie. Was wollen die Parteien in diesen Bereichen bewirken und wie sollen die Maßnahmen umgesetzt werden?
Die Fotos zeigen die Altonaer Spitzenkandidaten bei der Podiumsdiskussion am 9. September 2021 in unserer P-Aula.

Texte: Liv Portner, Celia Blaase, Laura Bachmann und Luisa Pacchione
Fotos: Hans Stützer


Klimaschutz

Von Luisa Pacchione

Es ist eines der wichtigsten Themen dieser Bundestagswahl. Fridays for Future demonstriert schon seit drei Jahren für einen besseren Klimaschutz. Und nach der Hochwasserkatastrophe in diesem Sommer scheinen auch die letzten Politiker:innen sich der Bedeutung dieses Themas bewusst zu sein. Ob sie es aber wirklich sind oder nur so tun, um Stimmen der Wähler:innen zu bekommen, ist eine andere Frage.

Schauen wir uns die Versprechen der sechs Parteien im Bundestag nun genauer an.

Hier ein kleiner Faktencheck

Die Bundesregierung hat bereits im Mai dieses Jahres ein neues Klimaschutzgesetz beschlossen, nachdem das vorherige Gesetz nach einem Urteil des Verfassungsgerichts die Freiheitsgrundrechte der jüngeren Generationen in der Zukunft nicht gewährleisten könne. In diesem steht unter anderem, dass Deutschland fünf Jahre vor dem ursprünglichen Datum 2050 klimaneutral werden muss.

SPD

Für die Sozialdemokraten soll Strom bis spätestens 2040 vollständig aus erneuerbaren Energien kommen. Dementsprechend liegt der Fokus auf deren Ausbau. Folglich soll auf alle geeigneten Dächer eine Solaranlage gebaut werden. Ihr Ziel ist es, Klimaschutz mit der Ankurbelung der Wirtschaft zu verbinden, und darauf zu achten dass er sozial verträglich bleibt. Die Sozialdemokraten halten ein Tempolimit von 130 km/h für sinnvoll. Die CO2-Bepreisung soll Menschen mit einem niedrigeren Einkommen nicht belasten, indem sozial gerechte Ausgleichsmaßnahmen eingeführt werden. Um die Bevölkerung anzuregen, Elektroautos zu fahren, sollen viele neue Ladesäulen aufgebaut werden. Durch den Ausbau des Schienenverkehrs möchte man die Nutzung von Inlandsflügen reduzieren, aber nicht verbieten.

Viele Klimaaktivist:innen und Expert:innen meinen, dass Klimaneutralität bis 2045 viel zu spät sei. Wie auch die Union leidet die SPD an einem Authentizitätsproblem, da sie schon seit acht Jahren regiert und der Klimaschutz in dieser Zeit vernachlässigt wurde.

CDU

Die Union möchte den Emissionshandel stärken und europaweit ausbauen. Einnahmen sollen durch eine Senkung des Strompreises an die Bürger:innen zurückgegeben werden. Die CDU macht deutlich, dass es bei ihr keinen Klimaschutz geben wird, unter dem die Wirtschaft leiden könnte. Steuerliche Anreize sollen die Bürger:innen dazu motivieren, in klimafreundliche Bereiche zu investieren, z. B. in Klimatechnologien oder in klimafreundliches Bauen. Der steigende Energiebedarf soll durch den Ausbau der erneuerbaren Energie gedeckt werden. Im Wahlprogramm lehnen sie Verbote wie das Diesel-Fahrverbot sowie ein generelles Tempolimit auf der Autobahn ab.

An dem Programm hagelt es Kritik. Luisa Neubauer spottete: „Dieses Parteiprogramm ist eine 139-Seiten-lange Weigerung, uns vor der Klimakrise zu schützen und das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten“.

Bündnis 90/Die Grünen

Mit einem Klimaschutz-Sofortprogramm wollen die Grünen den Ausbau von erneuerbaren Energien wirksamer und effizienter fördern. Für sie gehört auch ein Verbot von Verbrennungsmotoren ab den Jahr 2030 sowie ein Tempolimit auf Autobahnen dazu.

Außerdem soll der CO2-Preis 2023 um 35 Euro pro Tonne erhöht werden und somit bei 60 Euro liegen. Die Einnahmen wollen die Grünen dann als „Energiegeld” pro Kopf an die Menschen zurückzahlen. Unabhängig vom Einkommen soll jede oder jeder 75 Euro bekommen.

Die Grünen wollen, dass bis 2030 70% weniger CO2-Emissionen anfallen, dies sind aber nur 5% mehr als in dem bereits beschlossenen Klimaschutzgesetz der Bundesregierung festgelegt worden ist.

Carla Reemtsma (Fridays for Future) sieht folgendes Problem: „Dass selbst die größte grüne Partei der Welt keinen Plan hat, die 1,5-Grad-Grenze einzuhalten, ist verheerend”. Als einzige Partei wollen die Grünen aber ein Klimaministerium einführen, das Gesetzespläne blockieren kann, wenn diese nicht mit dem Pariser Klimaabkommen übereinstimmen.

FDP

Beim Klimaschutz setzt die FDP auf die Kraft des freien Marktes. Sie ist gegen ein Tempolimit und gegen ein Verbot des Verbrennungsmotors. Ein geringerer CO2-Ausstoß soll durch den EU-Emissionshandel erreicht werden. Die Politik würde dann entscheiden, wie viel CO2 ein Land im Jahr ausstoßen darf. Wer CO2 ausstoßen möchte, muss Zertifikate kaufen. Wenn das Limit erreicht ist, sind die Zertifikate auch alle verkauft. Wer viel ausstößt, zahlt viel Geld und wer CO2 spart, kann die Zertifikate wieder verkaufen. Die Zertifikate werden jedes Jahr teurer und Firmen sind dann verpflichtet, mehr in klimafreundliche Technologien zu investieren.

Damit sich dann nicht nur reiche Menschen das Autofahren leisten können, soll ein Teil des verdienten Geldes als „Klimadividende” an die Bürger:innen zurückgegeben werden.

Beim Klimaschutz bestätigt sich das Klischee der FDP: „Der Markt regelt alles” oder zumindest sehr Vieles. Viele Kritiker:innen sind der Meinung, dass der Emissionshandel viel zu lange Zeit bräuchte, bis er effektiv zum Klimaschutz beitragen könnte.

Die Linke

Die Linke wirbt mit dem größten Tempo beim Klimaschutz. Fünf Jahre vor den Grünen wollen sie klimaneutral sein. Sozialgerechten Klimaschutz zu gewährleisten, ist ihnen dabei besonders wichtig. Z. B. soll der Strompreis bezahlbar bleiben und der ÖPNV soll für alle gratis sein. Ab 2030 sollen Verbrennungsmotoren nicht mehr zugelassen werden. Der Ausbau von Autobahnen soll gestoppt werden und Kurzstreckenflüge unter 500 Kilometern verboten werden. Eine CO2-Preiserhöhung soll es aber nicht geben, da dies einkommensschwache Personen zu sehr belasten würde.

Im Gegensatz zur FDP finden sie, dass der Markt nicht viele Klimaprobleme lösen kann. Anstatt eines Emissionshandels wollen sie Konzernen klare Vorgaben machen.

Die Linke hat einen sehr hohen Anspruch und legt einen konsequenten und sozial gerechten Klimaschutzplan vor.

Nur mit klaren Vorgaben des Staates kann das Klima geschützt werden, glauben sie. Die Linke ist der Meinung „Der Klimawandel wird nicht von den Menschen gemacht, sondern von den Reichen”, weshalb sie auch höhere Vermögenssteuern fordern. Dieses Geld soll dann fürs Klima eingesetzt werden.

AfD

Die AfD zweifelt den menschengemachten Klimawandel an und findet, dass sich die Bevölkerung an die Klimaveränderungen anpassen sollte. Man sollte nicht versuchen, die Klimakrise zu bekämpfen. Sie lehnen das Ziel der Klimaneutralität ab, denn sie fürchten, dass durch den damit verbundenen Umbau der Wirtschaft eine Einschränkung der Freiheit einhergehe. Folglich soll das Pariser Klimaabkommen gekündigt werden und der Klimaschutzplan der Bundesregierung aufgegeben werden. Die CO2-Steuer soll abgeschafft werden, der Ausbau von erneuerbaren Energien limitiert werden und bei der Energiegewinnung soll weiterhin auf Kohlekraft und Erdgas gesetzt werden. Die Atomkraftwerke sollen noch so lange in Betrieb bleiben, wie es technisch und ökonomisch sinnvoll ist. Sie sind gegen innerstädtische Diesel-Fahrverbote, ein Tempolimit lehnen sie auch ab.

Hierzu muss nicht viel gesagt werden: Wer immer noch alle Berichte und Prognosen von Klimawissenschaftler:innen anzweifelt, hat mit dieser die richtige Partei gefunden.


Migration

Von Celia Blaase

Zuwanderung ist ein Thema, das die Menschen schon lange beschäftigt. Spätestens seit 2015 ist es in allen Köpfen präsent. Krieg, Dürre, politische Verfolgung und wirtschaftliche Not sind häufige Fluchtgründe, die Menschen auf eine lange und unfreiwillige Reise schicken – in eine hoffentlich bessere Zukunft. Viele der Flüchtenden haben Deutschland als Ziel. Doch wie wollen die großen Parteien mit diesen Menschen umgehen?

Marcus Weinberg – Spitzenkandidat der CDU – ist ganz digital unterwegs: Ob sich das wohl auch in seiner Politik widerspiegelt?

SPD

Mit legalen Migrationswegen versucht die SPD einen besseren Weg in die EU zu ermöglichen. Auch soll die Ursachenbekämpfung gestärkt werden. So will die SPD das EU-Asylrecht erneuern und Flüchtenden eine humane Integration ermöglichen. Neue Migrant:innen sollen ein Recht auf Immigrations- und Sprachkurse haben. Kinder sollen die Möglichkeit bekommen, eine Kita oder Schule zu besuchen – unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit. Mehreren Staaten anzugehören, soll ein modernes Staatsangehörigkeitsrecht ermöglichen. Die Sozialdemokraten wollen den Familiennachzug erleichtern und Zwangs-Abschiebungen in gefährliche Länder verbieten. Darüber hinaus will die SPD auf eine solidarische Asylpolitik in der EU drängen.

CDU

Die CDU sieht eine geordnete Zuwanderung vor. Dabei sollen die Zahlen der Zuwanderer:innen gesenkt werden. Durch ein neues Konzept der „kleinen“ sichereren Herkunftsländer will die CDU Abschiebungen erleichtern. Die Partei möchte das europäische Asylsystem reformieren und da eingreifen, wo sie die Ursachen für Zuwanderung sieht. Dabei hoffen sie, Kosten und Lasten fair auf die ganze EU verteilen zu können.
Auch setzt die CDU auf die eigenständige Bereitschaft der Geflüchteten, sich selbst zu integrieren. Besonderen Wert legt sie auf den Spracherwerb. Die Erweiterung des Familiennachzugs lehnt die CDU ab.

Im Allgemeinen bekennt sich die CDU zum Asylrecht und zur Genfer Flüchtlingskonvention und sieht die Verpflichtung Deutschlands, human zu handeln.

Bündnis 90/Die Grünen

Lager und Transitzonen lehnen Bündnis 90/Die Grünen ab. Eine spezielle Agentur, die von der EU geführt wird, soll Aufnahme- und Mitgliedstaat auswählen, indem das Asylverfahren ausgeübt wird. Flucht sieht die Partei als gemeinschaftliches EU-Problem. Daher soll es gemeinsam gesicherte und sicher übertretbare Grenzen geben. Fluchtabwehr soll vermieden werden, daher wird auch Frontex unter parlamentarische Aufsicht gestellt. Familien- und Geschwisternachzug wollen die Grünen barrierefrei machen. Jeder, der neu ins Land kommt, soll Zugang zu Sprach- und Integrationskursen erhalten. Kinder sollen Kitas und Schulen besuchen dürfen. Wer fünf Jahre in Deutschland lebt, soll die Chance haben, eingebürgert zu werden. Babys, deren Eltern rechtmäßig in Deutschland leben, erhalten die deutsche Staatsbürgerschaft.

FDP

Für die FDP ist das Grundgesetz unantastbar, so auch das Grundrecht auf Asyl. Zwischen politisch Verfolgten, Zuwanderern und Kriegsflüchtlingen will die FDP unterscheiden. So sollen (Bürger-)Kriegsflüchtlingen schnell und unbürokratisch geschützt werden. Dabei soll Immigration ein EU-weites Thema sein und alle Schutzsuchenden werden auf alle EU-Länder gleichmäßig verteilt. Um illegale Migration zu verhindern, möchte die FDP das umstrittene Frontex-Programm unterstützen. Für eingewanderte Fachkräfte schafft die FDP eine „Blue-Card“, da Deutschland ein Einwanderungsland ist und bleibt. Schutzsuchende sollen erleichtert Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten.

Im Bereich Integration sollen Sprach- und Integrationskurse angeboten werden. Diese sind kostenlos und sollen breitflächig verteilt werden. Mehrstaatlichkeit toleriert die FDP. Nach vier Jahren wird der Zugang zur Staatsangehörigkeit vereinfacht. Abgelehnte Asylanten werden konsequent abgeschoben.

Die Linke

Die Linke kündigt Einwanderung als großes, EU-weites und soziales Projekt an. Für Armuts-, Klima- und Umweltflüchtlinge sollen dieselben verbindlichen Flüchtlingsrechte gelten wie für Kriegsflüchtende. Frontex und der Flüchtlingsdeal mit der Türkei sollen aufgelöst werden. Familiennachzug soll uneingeschränkt ablaufen.

Mit einem Bundesministerium für Migration und Partizipation strebt die Linkspartei eine solidarische Einwanderungsgesellschaft an. Bildung, Gesundheitsversorgung, Schutz vor Ausbeutung sowie Legalisierungsmöglichkeiten sollen Menschen ohne Aufenthaltsstatus gestellt werden. Kostenlose Sprachkurse sollen Geflüchteten geboten werden, auch fordert die Linke eine Anerkennung für ausländische Qualifikationen. Anstatt in Sammelunterkünften, sollen Geflüchtete in Wohnungen unterkommen, zudem sollen sie Geld erhalten, keine Sachleistungen.

Jeder, der in Deutschland geboren wird, bekommt automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit. Eine Mehrstaatenangehörigkeit soll möglich sein. Ein Rechtsanspruch auf Einbürgerung soll für jeden gelten, der länger als fünf Jahre in Deutschland lebt.

AfD

Mit der „Abschiebeoffensive“ möchte die AfD eine schnelle Abschiebung garantieren. Geflüchtete sollen direkt an der Grenze abgewiesen werden können. Jedem der straffällig wird, droht die Abschiebung. Nur noch besonders Schutzbedürftigen will die AfD Asyl gewähren. Von denen verringert sich die Zahl aber auch, da die AfD die Liste der sicheren Herkunftsländer erweitern möchte. Familiennachzug soll es keinen geben. Arbeitserlaubnis wird nur an anerkannte Asylbewerber vergeben.

Bei der Einwanderung in Deutschland sieht die AfD die Zuwanderer in der Pflicht, die Sprache zu erlernen. Auch will sie ein generelles Kopftuchverbot verhängen. Was das Staatsangehörigkeitsrecht angeht, möchte die AfD zurück zum Abstammungsprinzip: Wer in Deutschland geboren wird, soll nicht automatisch eine deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Zusammengefasst versucht die AfD Asyl und Migration zu verringern und dies auf nationaler Ebene regeln.

Der ehemalige Schulleiter Dietmar Wagner (AfD) positioniert sich deutlich am rechten Rand.


Bildung

Von Laura Bachmann

Bildung – ein wichtigeres Thema kann es für uns Schüler:innen kaum geben. Unser Alltag kann sich entsprechend der Machtverschiebung in der kommenden Bundestagswahl deutlich verändern. Die Parteien haben ganz unterschiedliche Vorstellungen von guter Bildung. Auch spielt viel Neues in diesen Themenbereich mit hinein, etwa die Digitalisierung, die durch die Coronapandemie eine größere Bedeutung erlangt hat.

SPD

Die SPD will Bildungsgerechtigkeit erreichen. Sie entwickelte darum das Konzept der Kindergrundsicherung. Dies bedeutet einerseits, dass ein neues Kindergeld ausgezahlt wird, andererseits, dass eine Infrastruktur für mehr Teilhabe etabliert wird (z. B. kostenloser ÖPNV). Außerdem werden das Mitspracherecht der Jugend und die Digitalisierung in den Fokus gerückt. Das Wahlalter soll auf 16 gesenkt, Jugendparlamente und Jugendringe finanziert werden. Es soll in eine länderübergreifende Open-Source-Plattform investiert werden; für Schüler:innen soll es einen Rechtsanspruch auf ein digitales Endgerät geben.

Die Schüler:innenzeitung meint: Die SPD hat sich viel vorgenommen und wirkt motiviert genug, um all das in den nächsten vier Jahren anzupacken. Die SPD ist die einzige der ausgewählten Parteien, die sich so stark für die Mitbestimmung der Jugend einsetzt.

CDU

„Aufstieg durch Bildung“ lautet die Überschrift des entsprechenden Artikels des Wahlprogramms der CDU. Um gleiche Bildungschancen zu gewährleisten, sollen Schulen in „sozial schwierigen Lagen“ besonders gefördert werden. Gerade die coronabedingten (psychischen und lernfortschrittlichen) Folgen sollen durch Unterstützungsprogramme ausgeglichen werden. Digitale Kompetenzen an Schulen sind Voraussetzung für eine geplante digitale „bundesweite und europäisch anschlussfähige“ Bildungsplattform, die sich an alle Lernwilligen richtet. Zudem will man akademische und berufliche Bildung als gleichwertig einstufen. Das BAföG soll auch für ältere Menschen verfügbar werden.

Die Schüler:innenzeitung meint: Häufig unkonkret bezüglich der genauen Maßnahmen beschreibt die CDU eine Art Best-of der anderen Parteiprogramme und vielfach Ideen, deren Umsetzung schon nach der letzten Wahl möglich gewesen wären. Wirklich ambitioniert klingt das nicht.

Bündnis 90/Die Grünen

Auch die Grünen wollen Nachteile von Nichtakademikerkindern ausgleichen. Dafür wollen sie beispielsweise Programme für Schulen in benachteiligten Regionen starten und einen Rechtsanspruch für Grundschulkinder auf Ganztagsbetreuung und -bildung einrichten. An den entsprechenden Ausbaukosten soll sich der Bund beteiligen. Außerdem sollen Laptop und Tablet selbstverständliche Lernmittel werden und sichere Videokonferenzsysteme gefördert werden; kurz: Der Digitalpakt soll weiterentwickelt und vorangetrieben werden.

Perspektivisch soll es eine Ausbildungsgarantie sowie eine Mindestausbildungsvergütung geben. Berufliche und akademische Bildung sollten gleich viel wert sein

BAföG soll perspektivisch elternunabhängig gezahlt und von einem Weiterbildungs-BAföG ergänzt werden.

Die Schüler:innenzeitung meint: Teilweise etwas unkonkret, trotz vieler guter Ideen. Eine Ausbildungsgarantie ist ein guter Ansatz, um Ausbildungen attraktiver zu machen.

Der SPD-Direktkandidat für Altona, Dr. Matthias Bartke, musste ab und zu die Füße hochlegen.

FDP

Die FDP beabsichtigt zusätzlich 1% des Mehrwertsteuereinkommens in Bildung zu investieren – etwa 2,5 Milliarden Euro. Dies soll in eine Modernisierung des Bildungssystems fließen. Wichtig sind der FDP im Bildungsbereich eine Reform des Bildungsföderalismus per Grundgesetzänderung (damit z. B. vereinheitlichte Abschlussprüfungen möglich sind), mehr Autorität der Schulen für individuelleren Unterricht, Attraktivmachen des Berufs des/r „Lehrers:in“ (z. B. durch höhere Bezahlung) und mehr Inklusion.

Die FDP fordert einen „Digitalpakt 2.0“, der bessere Technik sowie Schulungen enthält. Damit soll das Angebot von digitalem Unterricht zu Hause dem Präsenzunterricht gleichgestellt werden. BAföG soll elternunabhängig ergänzt werden.

Die Schüler:innenzeitung meint: Diese wichtigen Impulse könnten Weichen stellen. Auffällig: Die FDP ist die einzige Partei, die den ersten Digitalpakt als gescheitert ansieht. Wir finden: Mit besserer Verwaltung ist der erste noch zu retten.

 

Die Linke

Die Linke findet, dass Bildung soziale Ungerechtigkeit entschärfen, statt verstärken soll. Sie will also durch Kostenübernahme der wichtigsten Bedürfnisse von Schüler:innen Bildungsgerechtigkeit ermöglichen (kostenlose Schulverpflegung und kostenloses HVV-Ticket) und fordert mehr Inklusion und individuelle Förderung. Der Bildungsföderalismus soll abgeschafft, Schulen saniert werden. Die Digitalisierung will man weiterbringen. Auszubildende sollen mehr Rechte bekommen und automatisch nach Ausbildungsende übernommen werden müssen. Das BAföG soll rückzahlungsfrei, elternunabhängig und bedarfsgerecht werden.

Die Schüler:innenzeitung meint: Der Fokus liegt vor allem auf der Ausbildung: Hier will die Linke Vieles reformieren, auch um die Vielfalt der Berufe zu stärken. Die für uns unmittelbar entscheidende Digitalisierung scheint allerdings weniger ihr Herzensthema zu sein. Den Bildungsföderalismus abzuschaffen ist unrealistisch, das wurde in der Vergangenheit bereits oft versucht.

 

AfD

Aus dem Zuwachs von Abiturient:innen schließt die AfD eine „Absenkung des Niveaus“, wodurch die Schulabgänger:innen zunehmend inkompetenter würden. Inklusion soll abgeschafft werden. Digitalisierung soll fast nur in dem Fach Informatik ab der fünften Klasse stattfinden. Die AfD setzt sich für die Vermittlung „deutschen Kulturguts“ als Teil der „deutschen Identität“ im Unterricht ein, um „Heimatliebe und Tradition“ zu vermitteln. Unterbunden werden soll stattdessen der Islamunterricht. Auch sollen Muslim:innen keine „Sonderrechte“ an Schulen (etwa im Schwimmunterricht) erhalten, um die Bildung von „Parallelgesellschaften“ zu unterbinden. Magisterabschlüsse und Diplome sollen wieder eingeführt werden.

Die Schüler:innenzeitung meint: Aus den Aussagen der AfD sprechen tiefer Rassismus und Diskriminierung und eine sehr nationalistische Sichtweise. Wer Inklusion abschaffen will, ist noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen.


Familie

Von Liv Portner

Familienpolitik ist für alle Parteien ein Kernthema im Wahlprogramm. Und in diesem Zweig der Politik hat sich in den letzten Jahren viel getan: So werden beispielsweise Themen wie Mehrelternschaften, Regenbogenfamilien oder ungleiche Bezahlung der Elternteile kontrovers im Bundestag diskutiert.

Das Bild von Linda Heitmann ist verschwommen: Die Vertreterin der Grünen hatte noch einen wichtigen Termin

SPD

Für die SPD bedeutet Familie nicht nur das klassische Ehe-Modell. Die Vielfältigkeit soll aktiv im Wahlprogramm gefördert werden. Für die Unterstützung von Familien und Alleinerziehenden ist ein Vier-Säulen-Modell für mehr Familienzeit geplant. Dieses beinhaltet die bezahlte Elternschaft bis zu zwei Wochen nach der Geburt sowie das ElterngeldPlus, das zu einer geförderten Elternzeit ausgebaut werden soll. Außerdem fordern die Sozialdemokat:innen die pandemiebedingte Verdopplung der Kinderkrankentage beizubehalten.

Die neue Kindergrundsicherung soll eingeführt werden und das Kindergeld nach dem Einkommen der Eltern gestaffelt werden.

CDU

Die CDU bezeichnet Familien als Fundament der Gesellschaft und darum ihre Familienpolitik als „Herzensanliegen“ der Partei. Immer wieder wirbt sie mit Deutschland als Familien-Land. Im Wahlprogramm stehen einige konkrete Maßnahmen, wie die Union den Arbeitsmarkt familiengerechter machen will. Beispielsweise soll das Elterngeld weiter gestärkt werden und die Partnermonate von 14 auf 16 Monate verlängert werden. Generell soll staatliche finanzielle Unterstützung automatischer, digitaler und gebündelter abrufbar sein.

Die Christdemokrat:innen setzen auf „Respekt statt Bevormundung“: Die Familiengestaltung soll allen Familien selbst überlassen bleiben. Trotzdem fehlen im Wahlprogramm konkrete Maßnahmen gegen homo- und transphobe Hasskriminalität, obwohl die CDU in diesem Wahlkampf voll auf das Thema Innere Sicherheit setzt.

Bündnis 90/Die Grünen

Die vielfältigen Familienformen sollen durch ein modernes Familienrecht abgebildet werden und Kinderrechte sollen im Grundgesetz gestärkt werden. Die Grünen unterstützen soziale Elternschaft und Mehrelternschaft und wollen zur Stärkung dieser Lebensformen das „kleine Sorgerecht“ weiterentwickeln, also die Bevollmächtigung für nicht leibliche Eltern, Entscheidungen für das Kind zu treffen. Eine weitere konkrete Maßnahme ist das Zusammenfassen verschiedener Unterstützungsgelder, wie Kindergeld, Kinderfreibeträge und Kinderzuschlag in eine Kindergrundsicherung. Jedes Kind soll einen Garantie-Betrag erhalten, wobei Kinder von Eltern mit niedrigem Einkommen einen GarantiePlus-Betrag erhalten würden.

Auch soll für den zweiten Elternteil nach der Geburt eines Kindes neben dem Mutterschutz zusätzlich eine 14-tägige Freistellung ermöglicht werden. Die Grünen wollen den Anspruch auf Kinderkrankengeld auf 15 Tage im Jahr pro Kind und Elternteil erhöhen – bei Alleinerziehenden auf 30 Tage.

FDP

Familie ist für die FDP überall dort, wo Menschen dauerhaft Verantwortung füreinander übernehmen. Neben der Ehe will die Partei auch Verantwortungsgemeinschaften gesetzlich verankern, als neue Form gegenseitiger Absicherung. Mehrelternschaften will sie rechtlich anerkennen und das Adoptionsrecht ausweiten. Außerdem soll zukünftig ein digitales Kinderchancengeld ausgezahlt werden und der Freibetrag für Kinder und Auszubildende soll erhöht werden. Für Alleinerziehende soll der Betrag zusätzlich erhöht werden. Weitere Schritte zur Entlastung für Familien sind die steuerliche Förderung von Betriebskindergärten und die Verlängerung der aktuell zwei Partnermonate auf drei Partnermonate.

In Hinblick auf den Umgang mit LGBTQ+ setzt die FDP auf den Grundsatz der Selbstbestimmung. Auch das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche will die Partei gänzlich abschaffen. Laut einem Wahlprüfstein des Lesben- und Schwulenverbands (LSDV) schneidet die Partei als drittbeste hinter den Grünen und Linken ab.

Die Linke

Die Linke fordert die rechtliche Gleichstellung aller Lebensformen (unabhängig von Herkunft, sexueller und geschlechtlicher Orientierung). Dafür soll das Wahlverwandtschaftsrecht eingeführt werden und das Abstimmungsrecht reformiert werden. Das heißt, dass nicht nur Ehepaare geschützt und gefördert werden, sondern generell Menschen, die mit Kindern leben.

Die Linke will einen selbstbestimmten Geschlechtseintrag für alle Menschen. Schwangerschaftsabbrüche sollen grundsätzlich legalisiert werden. Der Elterngeldanspruch soll auf 12 Monate pro Elternteil erhöht werden (das wäre fast doppelt so lang wie heute). Darüber hinaus soll ein Kündigungsschutz für Eltern von Kindern bis zum 6. Lebensjahr eingeführt werden. Außerdem sollen die Kinderkrankentage grundsätzlich erhöht werden.

AfD

Die AfD setzt auf das traditionelle Familienbild von Vater, Mutter, Kind. Im Wahlprogramm bezeichnet die AfD die aktuelle Situation als „demografische Katastrophe“ und befürchtet einen Zusammenbruch des sozialen Sicherheitssystems und der kulturellen Identität. Die demografische Krise soll durch eine „geburtsfördernde Familienpolitik“ bekämpft werden.

Familien sollen weiterhin durch ein steuerliches Familiensplitting unterstützt werden, Kinderfreibeträge sollen steigen. Auch sollen finanzielle Ausgaben für Kinder ab sofort vollständig steuerlich absetzbar sein. Die AfD plant außerdem die Einführung eines Betreuungsgeldes für Eltern von Kindern bis drei Jahren – gestaffelt nach dem durchschnittlichen Nettolohn der Eltern. Die AfD will das Kindergeld beibehalten, aber Möglichkeiten zum Missbrauch der Unterstützung möglichst unterbinden. Der Wiedereinstieg für Eltern nach der Babypause will die AfD vereinfachen: durch eine Lohnsubventionierung, die von der Anzahl der Kinder abhängig ist und an die Arbeitgeber gezahlt werden.

Die AfD setzt außerdem darauf, dass die Hürden für Schwangerschaftsabbrüche erhöht werden, und will die Geschlechtsumwandlung bei Kindern und Jugendlichen gänzlich verbieten.