Im Inneren des Kaninchenbaus

Laura Bachmann

Interview mit dem Chef

Interview: Laura Bachmann (10b), Liv Portner (10b), Jasper Strey (8b)

Foto: Laura Bachmann

Nach längerem Hin-und -Her haben wir Ende des vergangenen Halbjahres unseren neuen Schulleiter begrüßen dürfen. Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs ist Thomas Weiss gerade seit drei Wochen als unser Schulleiter im Amt. Die GO-Public hat ihn zu Hause besucht und mit ihm über seine Pläne für das GO, seine Aufgabe als Schulleiter und seine Kaninchen gesprochen.

Thomas Weiss empfängt uns herzlich in seinem Haus, nahe der Schule. Seine Frau stellt sich kurz vor und verschwindet dann schnell. Das Wohnzimmer ist hell und modern eingerichtet. Im IKEA-Stil mit persönlichen Akzenten. Auffällig sind die vielen Fotografien und Gemälde im Wohnzimmer. Vor dem Sofa eine PlayStation – er erzählt uns, dass er mit seinen vier Kindern gerne daran spielt. Thomas Weiss ist Familienmensch, zur Familie gehören auch die drei Kaninchen – die eigentlichen Stars dieses Interviews – und zahlreiche Fische. Wir setzen uns zusammen an den Wohnzimmertisch und beginnen mit dem Interview.

GO-Public: Wie gefällt Ihnen Ihr neues Büro?

Thomas Weiss: Das Büro ist ganz herrlich: Man hat nette Leute um sich herum und das Büro selbst ist schön eingerichtet.

Sie leiten das GO jetzt seit einigen Monaten. Wie ist Ihr Eindruck?

Ich wurde ganz herzlich aufgenommen. Die Aufgaben gefallen mir – ich habe mir das ja auch ausgesucht und ich glaube, ich kann auch etwas mitbringen. Ich freue mich sehr auf die kommende Arbeit, auch auf die vielen Herausforderungen. Ich sehe da ganz viele Möglichkeiten, tätig zu werden.

Sie waren ja zuvor am Gymnasium Lerchenfeld. Warum sind Sie nun ausgerechnet ans GO gewechselt?

Das GO ist eine tolle Mischung. Es gibt hier eine fundierte, fachliche Vielfalt, ein Angebot, das euch, die Schülerinnen und Schüler, abholt und auch sieht. Sei es das Landschulheim auf Föhr oder das Musical, aber auch, dass wir eine Mathenacht gemacht haben. Diese Mischung, diese tiefe Allgemeinbildung, das ist schon ein Wert an sich. Die Schule schafft es, lokal gebunden und verbunden zu sein, verwurzelt in Othmarschen und trotzdem gibt es so ein internationales Klientel. Es wird multikulturell im besten Sinne gedacht.

Was genau macht unsere Schule multikulturell?

Multikulturalität kann erstmal bedeuten, dass alles nebeneinander herläuft. Das tut es für mein Verständnis aber nicht. Man toleriert sich nicht nur, sondern akzeptiert sich. Es funktioniert miteinander. Es ist so eine warme, gute, zugewandte Atmosphäre da. Die ist fürs Lernen ideal, macht aber auch einfach Freude.

Und wie wollen Sie diese bei uns fördern?

Das ist nicht einfach. Erstmal würde ich denken, man braucht eine gute Organisation, um diese Vielfalt nicht zur Belastung werden zu lassen; das kann ja auch ein gegenseitiges Verdrängen sein – das darf nun wirklich nicht passieren. Wenn man den Lehrerinnen und Lehrern und Schülerinnen und Schülern Freiräume gewährt und ihre Leidenschaften unterstützt und das gut organisiert, dann kommt etwas raus, was viele anspricht und gleichzeitig auch fachlich fundiert ist. Es geht nicht nur um „Wir sind bunt“: Man muss immer auch gucken, wie passt es zusammen – und da sehe ich auch meine Aufgabe.

Jede:r Schulleiter:in hat einmal als Lehrer:in angefangen. Warum haben Sie sich entschlossen, Schulleiter zu werden?

An meiner alten Schule war ich ja stellvertretender Schulleiter. Das ganze Organisieren und Planen macht mir große Freude. Mit der Zeit habe ich immer mehr festgestellt, wie gerne ich Schulentwicklung betreibe. Dieses Gefühl hat dann dazu geführt, dass ich gesagt habe „Ich möchte Schulleiter werden“. Diese Entscheidung ist schon etwas früher gefallen, also bevor das GO einen Schulleiter oder eine Schulleiterin suchte; es passte aber ziemlich gut zusammen. Das war ein Glücksfall!

Es freut uns natürlich sehr, dass Ihnen unsere Schule und Gemeinschaft gefallen. Trotzdem gibt es sicher auch etwas, was Sie verändern wollen.

Die Coronapandemie hat unsere Schule sehr belastet. Dazu kommen in den letzten Jahren ja doch auch mehrere Wechsel in der Leitung. Die gute Atmosphäre ist zwar da, aber man merkt, dass sie belastet worden ist. Mein erstes Ziel ist es, dass diese Gemeinschaft wieder Kraft schöpft und wieder enger zusammenrückt. Außerdem kümmere ich mich um den Leitbildprozess.

Was heißt das genau?

Es ist wichtig, dass wir gucken, was ist das GO und wofür steht es? Wofür wollen wir als Gemeinschaft eintreten? Was ist nicht mehr so up-to-date? Den Leitbildprozess möchte ich gerne starten und durch meine Tätigkeit unterstützen, sodass erstmal alle näher zusammenrücken.

Ich möchte da sehr viel Energie reinstecken, das ist ein wichtiges Fundament der Schule.

Ich finde Feedback auch ganz großartig. Das wäre so eine der ersten Sachen, dass man Umfragen macht. Mit diesem Wissen kann man die Schule dann auch in eine Richtung bringen, die für die Gemeinschaft sinnvoll ist.

Hier wird das Interview kurz unterbrochen. Während wir Fotos aufnehmen, hoppeln zwei Kaninchen in den Raum. Thomas Weiss erklärt uns die selbstgebaute „Kaninchenklappe“ in der Terrassentür und stellt uns die beiden vor: „Sie sind schon ein süßer Haufen“.

Ein ganz aktuelles Thema unserer Zeit: Inwiefern wollen Sie die Digitalisierung an unserer Schule voranbringen?

Ich glaube, einfach durch meine Erfahrung an verschiedenen Schulen trage ich zu dem Thema in der einen oder anderen Weise bei. Digitalisierung braucht Zeit. Aber ich glaube, dass das auch ein Thema ist, das sehr positive Effekte haben kann, wenn es richtig angeht.

Wichtig ist aber auch: Medien sollten als Angebot wahrgenommen werden. Ich sehe das nicht als die eine Antwort auf Lernfragen. Ich glaube, Medienvielfalt ist wichtig. Die Kombination von klassischen und neuen Medien ist eine Bereicherung. Digitale Medien sollten sich da organisch integrieren.

Was bedeutet das für die verschiedenen Klassenstufen?

Meines Erachtens wird es eine Herausforderung, dass ihr Schülerinnen und Schüler mit zunehmendem Alter ganz viel Eigenständigkeit im Bereich digitaler Medien kriegen solltet. Bei Fünft- und Sechstklässlern ist es vielleicht noch gut, wenn man sagt: „Jetzt nehmt ihr euer Heft“ und „jetzt nehmt ihr bitte zur Recherche mal das Tablet“. Ich glaube, dass es in der Oberstufe genauso gut und richtig ist zu sagen: Ihr überlegt selbst. Ist das gerade gut, ins Heft zu schreiben oder mache ich das in der Word-Datei oder machen wir eine Kleingruppenaktion. Ich halte das für so wichtig, weil ihr ja medienkompetent werden sollt. Das funktioniert aber nur, wenn ihr das auch dürft.

Das heißt, dass ihr mit der Zeit, so ab Jahrgang acht, neun, zehn, mehr und mehr auch selbst Erfahrungen sammelt. Und Medienkompetenz bedeutet natürlich auch, dass man mal schaut, was ist außerhalb des Unterrichts. Was gibt es da an Chancen wahrzunehmen? Da gibt es ja ganz tolle Dinge: selber Filme drehen oder Radiopodcasts machen.

 Das heißt ganz konkret?

Das GO sollte Technik bereitzustellen und in allen Räumen digitale Projektionsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Wir haben ja auch eine ganze Menge Computer, Notebooks und Tablets – aktuell zur Ausleihe und zum Verwenden in einzelnen Unterrichtstunden. Für die Zukunft stelle ich mir vor, dass jeder Schüler neben seinem Buch und einem Heft auch irgendwo ein Tablet liegen hat.

Wie wichtig ist Ihnen Selbstständigkeit der Schüler:innen?

Ich bin ein ganz großer Fan davon, Schülerinnen und Schüler in echte Verantwortung zu bringen. Nicht nur wir-tun-mal-so-als-ob, sondern so richtig. Das Technik-Team beispielsweise: Wenn beim Musical das Licht nicht richtig ist, ist das Team auch verantwortlich. Wenn in der Lehrerkonferenz das Mikrofon gebraucht wird und nicht funktioniert, sind sie auch verantwortlich. Das führt aber auch zu ganz viel Engagement.

Solche Einrichtungen wollen Sie also stärker fördern?

Genau. Da gibt es ganz viele Möglichkeiten. Man könnte zum Beispiel einen Bucheinschlagservice für die Lernbücher aufbauen, eine Schülerfirma, die verschiedene Dinge verkauft. Die Schülervertretung hat mit mir darüber gesprochen, dass ein Schulsanitätsdienst gegründet werden könnte, der für alle möglichen Notfälle gerufen werden kann. Das sind Schülerinnen und Schüler, die dann als Sanitäter:innen für kleinere und größere Notfälle zuständig sind.

Uns ist allerdings aufgefallen, dass viele solcher Angebote, gerade AGs – wie die Schüler:innenzeitung –, kaum wahrgenommen werden. Dass so etwas angeboten wird, ist ja eine Sache, aber wie wollen Sie diese Strukturen populär machen?

Da muss man, glaube ich, unterscheiden. Die älteren Schülerinnen und Schüler haben durch den größeren Umfang an Unterrichtsstunden natürlich schon eine ganze Menge zu tun und von daher finde ich das absolut legitim, wenn sie sich lieber auf das Abitur oder die Überprüfung im Jahrgang 10 fokussieren.

Es gibt aber sicherlich auch Schüler:innen, die so etwas eigentlich gerne wahrnehmen würden.

Ich glaube, das ist auch wieder eine Frage des Feedbacks, dass wir fragen nach: Was wollt ihr gerne machen? Was wäre etwas für euch? Um zu wissen: Wo würde so ein Kurs zustande kommen?

 Nachdem wieder einige Kaninchen hineingekommen sind, stellt Thomas Weiss die Prognose auf, die Kaninchen würden das Interview letztlich dominieren.

Das zweite ist Werbung und das Informieren über die Angebote. Ich sehe, dass ihr etwas anders kommuniziert, auf anderen Wegen, als wir Erwachsene. Also könnte man einen Kanal auf einem sozialen Medium einrichten.

Ein zentrales Anliegen unserer Generation ist der Klimaschutz. Es gibt die Umwelt-AG und mit Malte Renius einen Umweltbeauftragten im Lehrer:innenkollegium. Unsere Schule will sich als Klima- beziehungsweise Umweltschule bewerben. Mit welchen Maßnahmen wollen Sie das umsetzen?

Ich glaube, es wäre völlig unvernünftig, dieses Thema nicht in den Fokus zu nehmen. Die gute Nachricht: Es ist auch ein tolles Unterrichtsthema, da es verschiedene Fächer verbindet. Weil es ganz unterschiedliche Perspektiven auf die Welt, aber auch auf uns selbst ermöglicht. Daher ist es eine traurige Herausforderung, weil die Situation brenzlig ist. Aber es ist auch eine wunderbare Herausforderung, da man alle möglichen wissenschaftlichen und menschlichen Dinge zusammenbringen kann.

Einiges könnte man da vom Gymnasium Lerchenfeld übernehmen. Man könnte zum Beispiel die Mülltrennung voranbringen und Umweltbeauftragte in jeder Klasse und jedem Profil machen, dazu passend einen Umweltrat und diesen mit dem Schülerrat in Kooperation bringen. Sehr schön fand ich auch den Umweltprojekttag, der das Thema für mein Verständnis nochmal sehr deutlich auf den Tisch bringt und für alle verständlich macht. Bisher kann ich allerdings noch nicht sagen, was sich davon genau umsetzen lässt.

Was macht eine:n gute:n Schulleiter:in aus?

Für mich ist ein guter Schulleiter, eine gute Schulleiterin zugewandt, entspannt, wenn es kritisch wird und versucht faire Lösungen zu finden. Er oder sie muss aber auch mal richtig deutlich „Nein“ sagen können. Er oder sie sollte unbedingt kritikfähig, ehrlich und offen sein – das ist für das GO besonders wichtig, weil daher auch diese gute Atmosphäre rührt. Außerdem gehört es zu einem guten Schulleiter oder einer guten Schulleiterin, sachkundig zu sein, Ahnung von Schule und Unterricht zu haben.

Wir haben in den vergangenen fünf Jahren unserer Schulzeit drei verschiedene Schulleiter:innen –Herrn Jany mitgerechnet – kennengelernt, die uns unterschiedlich begegnet sind. Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit uns Schüler:innen vor?

Ich wünsche mir eine enge, vertraute und vertrauliche Zusammenarbeit, eine sehr fröhliche, bei der es um die Sache geht, man aber auch lachen kann. Einfach weil man Freude am Prozess hat. Ich möchte versuchen, die richtigen Fragen zu stellen und möchte die unterschiedlichen Stimmen wahrnehmen, die da sind. Ich sehe meine Rolle im Ermöglichen, Lenken und Bahnen bereiten.

Wie verbringen Sie am liebsten Ihre Freizeit, außer mit ihren Haustieren – den Hasen und Fischen –, von denen haben wir ja schon viel gesehen und gehört haben?

Auch wenn meine Haustiere hier sehr präsent sind, steht meine Familie auf Platz eins. Ich mache ganz viel mit meiner Familie, wann immer ich Freizeit habe. Wir sind ein gutes Team, haben viel Freude miteinander. Wir gucken alle gerne Filme, lesen Bücher, wir machen Sport, ich würde uns mal als Reisefamilie bezeichnen, fahren in die Berge, die europäischen Hauptstädte – das macht mich und uns auch aus.

Sie unterrichten neben Mathematik auch Informatik. Expertenfrage: Playstation oder Xbox?

Eigentlich ist mir ein PC immer noch am liebsten.


Retro is back!

Warum wir wieder zurück in die Vergangenheit wollen

Ein Essay von Laura Bachmann (10b)

Die Schallplatte ist seit einigen Jahren wieder voll im Trend. Nicht nur als schicke Wanddekoration, sondern auch als Alternative zu flüchtigen Streamingdiensten wie Spotify. Auch andere Alltagsgegenstände lassen sich leicht durch schöne Objekte längst vergangener Zeiten ersetzen. Laura Bachmann erklärt, warum wir das auch unbedingt tun sollten.

Ächzend erhebt sich der Arm von seinem Sockel und beschreibt einen Kreis. Mit einem Knarzen setzt er auf und beginnt seine Arbeit. Trotz etlicher Hügel und ganzer Berge, die er überqueren muss, trotz der Weite des Wegs entlockt er einem seltsamen Apparat Töne. Worum es geht? Die Rede ist von einem Plattenspieler und von seinem Tonarm, der sich auf die Reise begibt, um uns mit seiner Musik zu fesseln.

Vinylplatten werden seit einiger Zeit wieder beliebt. Seit Mitte der 1990er finden immer mehr Menschen, dass Schallplatten etwas Schönes und Besonderes sind. Und: man sie kaufen sollte. Schließlich ist man schon seit den 1980er Jahren mit der Erfindung beziehungsweise Popularität der CD nicht mehr von Schallplatten abhängig. Im Gegenteil. Anfangs verschmähte man die gute alte Platte als altmodisch und vollkommen überholt, um sich mit großem Eifer erst den CD-Playern, dann dem Streaming-Diensten auf Handy oder MP3-Player zu widmen. Aber warum wird die Schallplatte jetzt wieder so beliebt? Nicht nur, weil sie schön aussieht, wenn man sie an die Wand hängt. Nein, es gibt Unterschiede zu unserem gewohnten Musikkonsum: Streamingdienste hört man nebenbei, Platten lauscht man. Tatsächlich sind viele Besitzer von Plattenspielern der Auffassung, dass das Wichtigste an Schallplatten die Beziehung zu ihnen sei.

Einer Platte zuzusehen, wie sie rotiert, und gleichzeitig Lieder aus qualitativ hochwertigen Kopfhörern oder Lautsprechern zu hören, ist etwas Besonderes. Denn das kommt dazu: Wer sich schon einen Plattenspieler anschafft, kauft sich häufig auch noch eine bessere Ausrüstung. Lohnt sich ja sonst nicht! Wichtig ist auch, dass solche Platten von viel höherer Beständigkeit sind als Streamingdienste, bei denen man nach der Abmeldung gar nichts mehr hat. Die Platten, der Plattenspieler, die Lautsprecher lassen sich ein Leben lang weiterverwenden. Kopfhörer oder Lautsprecher lassen sich häufig sogar mit den altbekannten Streamingdiensten verbinden, falls man sich doch auch mal für ein wenig gestreamte Musik entscheidet. Die eigenen Schallplatten, zu denen man vielleicht sogar noch eine Geschichte erzählen kann, halten länger und gehören (zu) einem.

Neben Platten gibt es noch deutlich mehr „alte“ und „überholte“ Gegenstände, die nicht nur eine wundervolle Dekoration darstellen, sondern auch eine interessante Alternative zu unserem allzu technischen und computerüberlasteten Alltag sind.

Unsere Redakteurin liest nur auf Papier: Liv Portner bei der Lektüre
Bild © Laura Bachmann

Zum Beispiel Kleidung. Auch ältere oder zumindest etwas höherwertige Kleidung hält länger und sieht auch besser aus. Selbst eine schmuddelige Hose kann zum Lieblingsstück werden, wenn man dazu eine Geschichte zu erzählen hat – und sie einem womöglich schon einige Jahre gehört. Eine (geerbte) Garderobe aus dem vorigen Jahrhundert ist fast immer von viel längerer Haltbarkeit als die Billigkleidung, die wir heute aus Ländern wie Bangladesch importieren, wo zu allem Überfluss zu menschenunwürdigen Bedingungen gearbeitet wird. Generell sind Erbstücke und Secondhand-Kleidung eine wirklich feine Sache, da sie nicht nur günstiger oder sogar umsonst, sondern auch noch gut für die Umwelt sind.

Ähnliches gilt für Bücher und Zeitschriften, die viele nur noch digital lesen. Denn es ist ein ganz besonderes Gefühl, eine Seite umzublättern. Am Ende einer Seite angekommen, lockt die Verheißung auf die Fortsetzung der Lektüre auf der nächsten Seite. Und das alles wird von einem verheißungsvollen Rascheln untermalt. Aufklappen und Zuklappen sind wie Begrüßung und Abschied und das einladende Cover komplettiert diesen „Besuch“ in der Welt des Buches.

Jedes Buch ist etwas Besonderes, Einzigartiges, das sich deutlich von jedem anderen Buch abhebt. Besondere Cover, Schriften und Layout machen das Buch erst zu dem Gesamtkunstwerk, das es ist. Auf dem E-Book hingegen verschwimmen die Grenzen zwischen den verschiedenen Büchern. Die Größe der Buchstaben wird angepasst, die Schrift vereinheitlicht und das Cover verdeckt. Tatsächlich kann man unter diesen Umständen viele Bücher miteinander verwechseln. Der Titel wird vergessen und der Inhalt mit dem anderer Bücher vermischt. Oder sogar vergessen. Meiner Erfahrung nach kann man sich auf Papier Gelesenes viel besser merken als Digitales. Und auch die Umwelt freut sich über ein Elektrogerät weniger. Dass dieser Artikel online erscheinen wird, ist wohl die viel genannte Ironie des Schicksals.

Abgesehen davon ist die Faszination eines Musikstückes auch ungleich größer, wenn man erst eine Platte auflegen muss, du den Startknopf bestätigst, die Platte sich zu drehen beginnt, zum Auftakt ein Knarzen erklingt und dann die Musik erschallt – und den ganzen Raum erfüllt.

Die Bedeutung eines Kleidungsstückes wird größer, wenn du dir die Bluse oder das Hemd über den Kopf ziehst, von der oder dem du weißt, dass schon deine Großmutter oder dein Großvater sie vor vielen Jahren trugen, und dessen Geschichtsträchtigkeit du spüren kannst, wenn du über den schweren, kühlen Stoff streichst.

Das Lesen wird intensiver, wenn du das Buch aufschlägst, die Seiten rascheln und die Buchstaben Vorfreude wecken und du dich in die Geschichte vertiefst und immer tiefer eintauchst und du schließlich in die Untiefen und Vielschichtigkeit der Handlung vordringst.


Kurzportrait: Josephine Teegen

Ein Porträt von Laura Bachmann (10b)

In loser Folge stellen wir euch Lehrer:innen vor, die neu an unserer Schule sind. Diesmal: Josephine Teegen. Sie unterrichtet seit August 2020 Sport und Mathematik am GO.

GO Public trifft Josephine Teegen an der frischen Luft – mit Maske und Abstand. Normalerweise träfe man sich bei kühlen Temperaturen ja drinnen, in der Cafeteria oder in Foyer. In dieser besonderen Situation jedoch ist alles anders. Auch Frau Teegen selbst sehen wir, wie jedes menschliche Lebewesen momentan, nur zur Hälfte. Sie unterrichtet Mathematik und Sport und ist gerade erst mit ihrem Referendariat fertig. Die Maske versteckt fast jedwede Regung im Gesicht.

Dennoch können wir immerhin feststellen, wie begeistert die junge, blonde Frau von ihrer Beschäftigung am GO ist.

Sie freut sich sehr, dass ihre erste „richtige“ Schule das GO ist. Als Lehrerin kann sie viel mit anderen Menschen zusammen sein. Außerdem gefallen ihr ihre Fächer sehr gut und auf diese Weise kann sie „diese Freude weitergeben“. Schon als Schülerin hatte sie diesen Berufswunsch. Und Sport hat sie schon immer angesprochen. Insbesondere Hockey, auch ein Fokus an unserer Schule, spiele sie schon lange und wolle sie „euch“, den Schülerinnen und Schülern, nahebringen. Sie liebt die Freude am Bewegen, die viele Schülerinnen und Schüler an den Tag legen.

Als wir das Interview führen, ist Sport in Corona-Zeiten ein großes Thema. Zu dem Zeitpunkt war gerade die Maskenpflicht auch im Unterricht eingeführt worden und das große Orakeln über eine weitere Schulschließung begann. Daher sprachen wir recht viel über Sport „in diesen Tagen“. Frau Teegen sagte dazu, dass sie „Einzelsport“ nur halb so schön finde wie „normalen Sport“. Um das Maskentragen zu umgehen, versucht sie verstärkt Sportarten wie Frisbee in den Unterricht einzubauen. Dennoch gehöre viel mehr Planung und Stress dazu als sonst. Videokonferenzen findet sie zwar sinnvoll, nutzt sie jedoch lieber mit ihren Freund*innen aus ihrer Heimatstadt, um nicht ständig den weiten Weg auf sich nehmen zu müssen, als ihre Schülerinnen und Schüler von zu Hause zu unterrichten. Stattdessen wünscht sie sich, möglichst bald wieder „normalen“ Unterricht machen zu können.