Titelbild: "London 2012 Olympic Games" by amsr_photography is licensed under CC BY 2.0.

Heute (28.05.2026) fand am GO eine Podiumsdiskussion statt. Das Thema: Die Bewerbung auf die Olympischen und Paralympischen Spiele Hamburgs.

Zu Beginn der 5. Stunde füllte sich die P-Aula heute (28.05.2026) rapide. Der Grund dafür: Eine Podiumsdiskussion zur Bewerbung der Olympischen und Paralympischen Spiele Hamburgs. Im Publikum saß die gesamte Oberstufe sowie einzelne Klassen der Jahrgänge 9 und 10.

Zu Gast waren 4 Vertreter:innen verschiedener Positionen: Für die Bewerbung sprachen sich Antje Müller (Mitglied der Hamb. Bürgerschaft für die CDU) und Matthias Onken (Mitgründer Initiative OlympJA), dagegen Heike Sudmann (Mitglied der Hamb. Bürgerschaft für Die LINKE) und Florian Kasiske (Mitgründer NOlympia) aus. Die Moderation übernahmen Schüler:innen der Oberstufe.

 

Die Veranstaltung wurde mit einer Rede von Oberstufenkoordinator Herrn Naumann-Emme eröffnet. Er stieg thematisch ein und erläuterte das Diskussionsthema genauer: Könne man trotz Sportbegeisterung gegen die Bewerbung stimmen? Könne man trotz infrastruktureller Probleme dafür stimmen? Das sollte nun diskutiert werden.

 

Zuvor stellten sich die Gäst:innen jedoch kurz vor, und genauso machen wir es nun auch:

Antje Müller ist seit der aktuellen Legislaturperiode Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft für die CDU. In der Partei ist sie seit 2018 Mitglied. Außerdem ist sie seit 2024 Mitglied der Bezirksversammlung Altona. Wie sie in ihrer Begrüßung sagte, freue sie die Diskussion und das Interesse Jugendlicher, da diese die Zukunft seien und Olympia ein Zukunftsthema sei.

Matthias Onken ist hauptberuflich Journalist und hat zu Beginn dieses Jahres die Bürger:inneninitiativer OlympJA mitgegründet. Die Gründung fand wohl vor allem deshalb statt, weil es viele Menschen ohne Durchblick oder unsicherer Meinung zur Thematik gab. Außerdem fand man die Werbung der Stadt unzureichend. OlympJA arbeitet komplett ehrenamtlich.

Heike Sudmann sitzt seit 2011 für die Fraktion Die LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft, war aber auch von 1993 bis 2001 Teil dieser, jedoch für die Fraktion Grün-Alternative Liste (heute Bündnis 90/Die Grünen). Seit 2025 ist sie eine der beiden Vorsitzenden der Bürgerschaftsfraktion Die LINKE. Olympia sehe sie kritisch, lieber hätte sie Investitionen in den Breitensport.

Florian Kasiske gründete schon bei der Olympiabwerbung im Jahr 2015 NOlympia – und war erfolgreich: Das Referendum fiel negativ aus. Mittlerweile ist er ebenfalls für die LINKE aktiv und Mitglied dieser. Er sagte, er könne die Begeisterung für die Olympischen und Paralympischen Spiele zwar verstehen, mache sich aber Sorgen, dass Mieten durch die Spiele steigen und Menschen aus dem Stadtzentrum vertrieben werden könnten. Mit letzterem meine er einerseits Obdachlose, wie in Paris, aber auch „normale“ Menschen, die in Innenstädten wohnen und sich dies langfristig nicht mehr leisten könnten.

 

Nach der Vorstellung wurde ein offizielles Video zur Visualisierung des Konzepts gezeigt. Hierbei ist anzumerken, dass dieses von der Stadt Hamburg kommt, also nicht neutral, sondern die Bewerbung unterstützend ist. Ein vergleichbares Produkt der Gegenseite wurde nicht gezeigt, außerdem wurde nicht angemerkt, dass das Video nicht neutral ist.

 

Daraufhin begann schließlich der Hauptteil. Zwar respektvoll, aber durchaus hitzig wurde die Bewerbung diskutiert. Das Moderationsteam stellte hiebei Fragen, um durch die Diskussion zu führen.

Als erstes von 4 Überthemen wurde die Planung und Infrastruktur Hamburgs angeführt. Die Pro-Olympia-Seite macht hierbei deutlich, dass Hamburg durchaus über geeignete Infrastruktur verfüge. Außerdem sei im Rahmen der Spiele auch neue Infrastruktur geplant, etwa rund 4.000 Neubauwohnungen oder die U5. Die Gegenseite erwiderte, dass ebenjene Infrastruktur ohnehin gebaut werden könnte, und dies auch der Plan sei: Die U5 wird schon jetzt gebaut, auch die Neubauwohnungen sind in großen Teilen bis 2036 eingeplant. Sollte man die Spiele 2040 oder 2044 ausrichten, käme es demnach sogar zu einer Verzögerung. Auch wenn der Themenblock Finanzen erst kurz danach kommen sollte, kippte die Diskussion schnell in diese Richtung: Nachdem Antje Müller auf die Frage, ob Hamburg ein Milliarden-Prestigeprojekt brauche, antwortete, dass die Olympischen und Paralympischen Spiele kein Prestigeprojekt seien, da die Ausgaben durch Ticketverkäufe usw. komplett gedeckt wären, zweifelte die Gegenseite dies an: Relevante Faktoren, etwa Sicherheitskosten, seien im Finanzkonzept nicht enthalten. Nach einigem Hin und Her kam kam schließlich die Aussage Onkens, dass ihn die Finanzdiskussionen mittlerweile immens langweilen würden. Diese ergäben ohnehin keinen Sinn, da sich die (Welt-) Lage bis dahin deutlich verändert haen könnte.

„Niemand kann sagen, wie die Welt 2040 aussieht“

~Matthias Onken, Initiative OlympJA

Sundmann widersprach dem deutlich, da das Finanzkonzept das zweifelhafteste an der gesamten Bewerbung sei, und sich die Lage wohl kaum verbessern würde.

 

Daraufhin kam es auch offiziell zum Thema Finanzen. Die Pro-Seite brachte zum Ausdruck, dass Olympia einen finanziellen Aufschwung mit sich brächte, da Hamburg auf der internationalen Bühne stünde. Das Finanzkonzept sei außerdem sicher. Vor allem letztem Punkt widersprach die Contra-Seite deutlich: Das Konzept sei nicht nur unvollständig berechnet, auch Faktoren wie Geld vom Bund seien bislang unsicher. Müller erwiderte, dass mit Mitteln des Staates fest zu rechnen sei, da es die Spiele Deutschlands und nicht die Hamburgs seien. Sudermann erwiderte, dass der Vertrag zur Ausrichtung jedoch nicht zwischen dem IOC und Deutschland, sondern zwischen dem IOC und Hamburg geschlossen werden würde.

 

Nun folgte das Thema Umwelt und Soziales. Direkt zum Einstieg hinterfragte Sundmann die geplante (und vom IOC geforderte) Klimapositivität der Spiele. Diese zu erreichen, wäre, wenn überhaupt, nur mittels Greenwashing möglich. Kasiske ergänzte, dass auch Greenpeace dies so einschätze. Auch die geplante Klimaneutralität Hamburgs 2040 würde dadurch erschwert werden.

Müller hob positiv hervor, dass die Olympischen Spiele in Hamburg zur Völkerverständigung beitragen würden. Kasiske widersprach dem deutlich.

„Olympische Spiele haben noch keinen Krieg beendet.“

~Florian Kasiske, NOlympia

Onken warf Kasiske nach dieser Aussage Populismus vor.

 

Zuletzt kam das Thema Konzept der Bewerbung. Dieses Thema startete mit der Frage, ob es angemessen sei, die Olympischen Spiele 2036, also 100 Jahre nach den Olympischen Spielen 1936 in Deutschland auszurichten. Hier gingen die Meinungen auch innerhhalb der Pro-Seite auseinander: Während Müller die Spiele als Chance für Wiedergutmachung sieht, möchte Onken die Spiele 2036 auf keinen Fall. Die Contra-Seite schloss sich hier Onken an, da die Spiele dann auch von Neonazis ausgenutzt werden könnte. Gegen die Bewerbung seien sie auch deshalb: Hamburg kann sich ausschließlich auf die Spiele 2036, 2040 und 2044 gesammelt bewerben. Müller wünschte sich daraufhin mehr Vertrauen in die Demokratie. Aus zeitlichen Gründen wurde das Thema nach dieser Frage bereits beendet.

 

Nach den 4 Themen ging es zu den Publikumsfragen. Die erste Frage ging an Müller: Wie stelle sie sich die Sicherheitsvorkehrungen vor? Sie antwortete, dies könne man erst kurzfristig klären. Sundmann verglich die Spiele daraufhin mit G20 und brachte erneut zum Ausdruck, dass die Sicherheit ein erheblicher, nicht einberechneter Kostenpunkt sei. Die nächste Frage richtete sich an Sundmann und wollte wissen, wie man gegen Olympia sein könnte, wenn dies Druck machen würde, Sozialprojekte umzusetzen. Sundmann widersprach und sagte, dass die Spiele kaum Druck dafür erzeugen würden. Zuletzt ging eine Frage an beide Gegner:innen: Wie könnten sie sich die Olympischen und Paralympischen Spiele in Hamburg vorstellen? Die gemeinsame Antwort lautete, dass dies nur ginge wenn die Spiele kleiner wären.

 

Daraufhin bekamen alle Sprecher:innen noch kurz für ein paar letzte Worte Zeit. Diese fielen bei allen ähnlich aus: Hauptsächlich wurde darauf hingewiesen, dass man, sofern möglich, abstimmen solle. Die Contra-Seite wies außerdem daraufhin, dass man sich vielseitig informieren solle. Daraufhin wurde die Veranstaltung beendet.

 

Von der Applauslautstärke her wirkte es danach, dass die Mehrheit der anwesenden Schüler:innen für die Bewerbung wären, die Unterschiede waren aber nicht groß. Wie das Referendum ausgeht, werden wir demnächst erfahren.

 

Insgesamt kann man festhalten, dass die Befürworter:innen die Olympia-Bewerbung als Chance sehen, Gegner:innen sehen sie eher als teures Projekt, dass die Stadt überlastet. Besonders kontrovers scheint die Finanzlage. GO-Schüler:innen scheinen Olympia positiv zu sehen.

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